{"id":9481,"date":"2022-10-29T16:47:00","date_gmt":"2022-10-29T14:47:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sylb.eu\/?p=9481"},"modified":"2022-10-22T19:18:59","modified_gmt":"2022-10-22T17:18:59","slug":"nocturnis-unsegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/nocturnis-unsegen\/","title":{"rendered":"Nocturnis &#8211; Unsegen"},"content":{"rendered":"\n<p>Als ich im Pressetext von <strong>Black Sunset \/ MDD Records<\/strong> las, dass <strong>Nocturnis<\/strong> aus dem Schwarzwald kommen, musste ich sofort an die ebenfalls aus dieser Gegend stammende Band <strong>Imperium Dekadenz<\/strong> denken, die zwar nicht im Black Metal aber zumindest auch im Extreme Metal unterwegs sind, und deren 2016er Album <strong>Dis Manibvs<\/strong> ich nach wie vor als Meisterwerk betrachte. Die Nachbarn haben allerdings wesentlich mehr Jahre auf dem Buckel, denn <strong>Nocturnis<\/strong> gibt es erst seit dem Jahr 2019. <strong>Nocturnis<\/strong> wiederum sind flei\u00dfiger, was Releases angeht, denn nach der im Jahr 2020 in Eigenregie ver\u00f6ffentlichten Deb\u00fct-EP <strong>Aporia<\/strong> kommen sie bereits jetzt mit ihrem Deb\u00fctalbum <strong>Unsegen<\/strong> um die Ecke. Das wurde am 28.10. via <strong>Black Sunset \/ MDD Records<\/strong> ver\u00f6ffentlicht und kommt mit den sechs Tracks auf ungef\u00e4hr 38 Minuten Spielzeit.<br><br>Haben <strong>Nocturnis<\/strong> auf <strong>Aporia<\/strong> noch in englischer Sprache gesungen, sind sie auf <strong>Unsegen<\/strong> in die deutsche Sprache gewechselt. Sie erz\u00e4hlen in den Songs auf diesem Konzeptalbum die Geschichte eines jungen Soldaten, den die im 1. Weltkrieg erlebten Gr\u00e4ueltaten so verzweifeln lassen, dass er schlussendlich den inneren Kampf gegen sein eigenes Gewissen verliert. Dazu passend haben <strong>Nocturnis<\/strong> auch das Coverartwork ausgew\u00e4hlt. Es handelt sich um das von <strong>Gilbert Rogers<\/strong> im Jahr 1919 erschaffene Gem\u00e4lde <strong>The Dead Stretcher-Bearer<\/strong>.<br><br>Schon im Jahr 1928 hat <strong>Erich Maria Remarque<\/strong> mit seinem Roman <strong>Im Westen nichts Neues<\/strong> die Schrecken des 1. Weltkrieges in Worte gefasst. Der Roman wurde von <strong>Lewis Milestone<\/strong> bereits im Jahr 1930 zum ersten Mal verfilmt. Und in der Schnittstelle zwischen dem geschriebenen Wort <strong>Remarque<\/strong>s und der Verfilmung von <strong>Milestone<\/strong> k\u00f6nnte man dieses Album ansiedeln. Die Sprache ist nat\u00fcrlich wesentlich moderner als die von <strong>Remarque<\/strong>, und Black Metal war vor ungef\u00e4hr 90 (!!) Jahren nat\u00fcrlich auch kein Thema. Aber <strong>Nocturnis<\/strong> er\u00f6ffnen mit diesem Album das Kopfkino und lassen in den ersten vier Tracks des Albums die Geschehnisse auf dem Schlachtfeld lebendig werden. Rasender Black Metal berichtet von Trommelfeuer, Gasangriffen und Sch\u00fctzengr\u00e4ben, in denen die Soldaten die Schreie ihrer sterbenden Kameraden h\u00f6ren m\u00fcssen. Und die ruhigeren Interludes k\u00f6nnte man dabei fast als Feuerpause deuten, in denen die Soldaten aber nicht wirklich zur Ruhe kamen. Dabei frage ich mich vor allem, wie <strong>Christian<\/strong> es geschafft hat, die Blastbeats und Double Base-Attacken so konstant durchzuziehen. Von den Gitarren gibt es nicht nur das f\u00fcr Black Metal ja fast schon \u00fcbliche Shredding zu h\u00f6ren, sondern auch immer mal wieder sch\u00f6ne melodische L\u00e4ufe, die in Anbetracht der Handlung fast schon grotesk wirken k\u00f6nnten. Rein musikalisch gesehen liebe ich es, wenn Black Metal-Bands das in ihre Songs einbringen.<br><br>Wie es der Songtitel schon verr\u00e4t, empfindet der Protagonist in <strong>Reue<\/strong> eben genau dieses Gef\u00fchl. Der H\u00f6lle des Krieges entkommen, findet er nicht mehr ins Leben zur\u00fcck. So macht auch die w\u00fctende Black Metal-Raserei einem \u00fcberwiegend im Midtempo gehaltenen R\u00fcckblick Platz, in der der Protagonist verzweifelt. <em>&#8222;Kann nicht mehr denken, nicht mehr f\u00fchlen. Eine innere Leere bleibt zur\u00fcck. Vater, vergib mir meine S\u00fcnden&#8220;.<\/em> Das darauffolgende Gitarrensolo ist die musikalische Umsetzung dieser Gedanken. \u00dcberraschenderweise, f\u00fcr mich zumindest, halten <strong>Nocturnis<\/strong> den letzten Track <strong>Zerrissenheit<\/strong> als Instrumental. Andererseits sind alle Worte gesagt, und der inneren Leere wird mit diesem ebenfalls \u00fcberwiegend im Midtempo gehaltenen, sehr progressiv daherkommenden Song musikalisch perfekt Ausdruck verliehen.<br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nocturnis wiederum sind flei\u00dfiger, was Releases angeht, denn nach der im Jahr 2020 in Eigenregie ver\u00f6ffentlichten Deb\u00fct-EP &#8222;Aporia&#8220; kommen sie bereits jetzt mit ihrem Deb\u00fctalbum &#8222;Unsegen&#8220; um die Ecke. 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