{"id":9074,"date":"2022-10-06T17:15:00","date_gmt":"2022-10-06T15:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sylb.eu\/?p=9074"},"modified":"2022-10-04T19:34:25","modified_gmt":"2022-10-04T17:34:25","slug":"anthia-gaslighter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/anthia-gaslighter\/","title":{"rendered":"Anthia \u2013 Gaslighter"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Wege, auf denen dieses Deb\u00fctalbum zu mir kam, sind \u00e4hnlich verschlungen, wie die des Masterminds von <strong>Anthia<\/strong>, n\u00e4mlich <strong>Herman Rigmant<\/strong>. Der war in den 90ern Mitglied der lettischen Technical Death Metal Band <strong>Neglected Fields<\/strong>, die sich bereits die B\u00fchnen mit Bands wie <strong>Cannibal Corpse<\/strong>, <strong>Dimmu Borgir<\/strong> oder <strong>Destruction<\/strong> teilen durften. Danach produzierte und managte er <strong>Vic Anselmo<\/strong>. Hier spielte er auch Gitarre, und sie ver\u00f6ffentlichten zwei Alben. Auf den gro\u00dfen Gothic-Festivals, wie <strong>WGT<\/strong>, <strong>M&#8217;Era Luna<\/strong> oder <strong>Amphi Festival<\/strong> waren sie ebenso auf den B\u00fchnen, wie als Support f\u00fcr <strong>Deine Lakaien<\/strong> bei deren 2010er Europatournee. Im Jahr 2013 kam <strong>Herman<\/strong> dann nach Krefeld, wo er sich ebenfalls bereits sehr aktiv in der Szene zeigte, bevor er vor drei Jahren <strong>Anthia<\/strong> gr\u00fcndete. Und auch seine beiden musikalischen Mitstreiter sind keine Unbekannten. <strong>Sergey \u201cSerg\u201d Baidikov<\/strong> ist der Kopf, S\u00e4nger und Gitarrist der lettischen Melodic Death Metal-Band <strong>Preternatural<\/strong> und Gitarrist bei <strong>Neglected Fields<\/strong>, <strong>Sergey Serhio Karshev<\/strong> ist Bassist bei <strong>Preternatural<\/strong> und <strong>Neglected Fields<\/strong>.<br><br>Das Deb\u00fctalbum <strong>Gaslighter<\/strong> entstand in sehr turbulenten Zeiten, die sich mit Kriegen, Revolutionen oder auch der Covid-Pandemie in Erinnerung halten werden. Und auch Ereignisse in seinem pers\u00f6nlichen Umfeld hat <strong>Herman<\/strong> in der Musik und in seinen Texten verarbeitet. Bei den Aufnahmen hatte er Unterst\u00fctzung von <strong>Katharina Kurschat<\/strong> (Gesang Tracks 6 &amp; 10), <strong>Raafat Daboul<\/strong><a> <\/a>(Gesang Track 4) und <strong>Nik Arhipov<\/strong> (Gesang Tracks 8 &amp; 9) sowie <strong>Martin Tiltnieks<\/strong>, der in <strong>Procrastination<\/strong> mit seinen Bagpipes zu h\u00f6ren ist. Das Mastering hat niemand Geringeres als <strong>Dan Swan\u00f6<\/strong> \u00fcbernommen.<br><br>Eigentlich wollte ich das ungef\u00e4hr 35 Minuten lange Album zum ersten Mal durchh\u00f6ren, w\u00e4hrend ich die Fotos der Show bearbeite, die ich am Vorabend aufgenommen hatte. Aber schon nach der ersten Minute des Titeltracks <strong>Gaslighter<\/strong> merke ich, dass sich meine Aufmerksamkeit mehr auf die Musik als auf meine Fotos richtet. Und so langsam aber sicher kriecht mir ein Grinsen ins Gesicht, das da auch wie festgetackert bleibt. Ich habe ja schon einiges an Progressive Death Metal geh\u00f6rt. Das ist dann halt Death Metal nicht stur durchgepr\u00fcgelt, sondern mit einigen progressiven Versatzst\u00fccken. Aber was <strong>Anthia<\/strong> da auf <strong>Gaslighter<\/strong> liefern, ist fast wie ein Theaterst\u00fcck f\u00fcr die Ohren und erinnert mich ein wenig an <strong>Luzidity<\/strong>, die gerade mit <strong>Forced To Kill<\/strong> ein \u00e4hnlich au\u00dfergew\u00f6hnliches Album ver\u00f6ffentlicht hatten, wobei die K\u00f6lner Band eher im Black Metal wildert.<br><br>Nach <strong>Infancy (Intro)<\/strong> folgt schon der Titeltrack, der erstmal so gar nichts mit Death Metal zu tun hat. Ein tolles Uptempo-Gitarrenspiel leitet den Song ein, und beim ersten H\u00f6ren habe ich nochmal kurz nachgeschaut, ob <strong>Anthia<\/strong> wirklich auf der Death Metal-Schiene fahren. Dann legt <strong>Sergey<\/strong> am Mikro los, der sich aber auch weniger in den f\u00fcr Death Metal typischen tiefen Growls bewegt, sondern eher mit einer rauen Stimme unterwegs ist, was man vielleicht noch als Shouts bezeichnen k\u00f6nnte. Und gleich mit diesem ersten regul\u00e4ren Track ziehen <strong>Anthia<\/strong> alle Register. Da wird von jetzt auf gleich mal das Tempo verschleppt, und die Instrumentenfraktion scheint manchmal eher beim Jammen zu sein, als dass sie die im Songwriting aufgeschriebenen Noten spielt. Bei einer Songl\u00e4nge von ungef\u00e4hr vier Minuten kommen <strong>Anthia<\/strong> gar nicht erst in Versuchung, sich in ellenlangen Wiederholungen zu ergehen, sondern kommen knackig auf den Punkt. Von Jammen ist im folgenden <strong>Flabbergast<\/strong> keine Rede, die Flitzefinger auf den Gitarren stehen den Blastbeats und Doublebase-Attacken in nichts nach, k\u00f6nnen aber auch tolle Riffs und Licks daherzaubern, die mich manchmal fast schon an <strong>John Petrucci<\/strong> und die Songs seiner Band <strong>Dream Theater<\/strong> erinnern.<br><br>Hatte ich weiter oben schon was von &#8222;Theaterst\u00fcck f\u00fcr die Ohren&#8220; geschrieben, passt der erste Einsatz eines Gasts\u00e4ngers auf diesem Album dazu wie A\u2026 auf Eimer. <strong>Raafat Daboul <\/strong>spricht in dem Song, der so hei\u00dft wie die Band, n\u00e4mlich <strong>Anthia<\/strong>, zwar eher, als dass er singt, aber gerade das verst\u00e4rkt diesen Eindruck umso mehr. Und auch hier sind die M\u00e4nner wieder \u00fcberwiegend im Hochgeschwindigkeitsexpress unterwegs, von den abrupten Tempowechseln, die gef\u00fcllt sind mit einem wahnwitzigen Spiel der Gitarren, mal abgesehen. Ob die Drums auch programmiert sind, wei\u00df ich nicht, aber das symphonische Orchester im Hintergrund ist es bestimmt. Auch im folgenden <strong>The Origin Of Species<\/strong> gibt&#8217;s wieder allerlei Symphonisches, und w\u00e4re da nicht der Gesang von <strong>Sergey<\/strong>, k\u00f6nnte auch dieser Track aus der Feder von <strong>Dream Theater<\/strong> stammen. Was ein gro\u00dfartiges progressives Monster!<br><br><strong>Chairborne<\/strong> ist fast so etwas wie pure Raserei mit einem gro\u00dfartigen Gitarrenspiel. Ab und an m\u00e4andert der Song ein wenig herum, und es scheint fast so, als solle dem H\u00f6rer hier mal eine Verschnaufpause geg\u00f6nnt werden. Hier kriegt auch <strong>Katharina Kurschat<\/strong> ihren ersten, wenn auch sehr kurzen, Einsatz. Wo es bei <strong>Chairborne<\/strong> manchmal ein wenig unentschlossen scheint, klingt es im folgenden <strong>Samedi<\/strong> zun\u00e4chst eher wie der Sprecher in einem H\u00f6rspiel, der den H\u00f6rer auf eine spannende Reise mitnimmt, womit wir wieder beim &#8222;Theaterst\u00fcck f\u00fcr die Ohren&#8220; w\u00e4ren. Erfreulicherweise sind ja auch die Songtexte im Pressekit enthalten, aber ich muss gestehen, dass ich zwar die Worte, nicht aber den Sinn der S\u00e4tze verstehe. Gro\u00dfartig auf jeden Fall, wie der Song auf das furiose Ende hin aufgebaut wird. Von <strong>Procrastination<\/strong> k\u00f6nnte ich aus eigener Erfahrung auch viel berichten, aber auch hier ist der Text definitiv sehr viel tiefsch\u00fcrfender. Abgesehen von wahnwitzigen Gitarrensoli kommt der Song mal nicht gar so progressiv daher, kann aber mit tollen Clean Vocals von <strong>Nik Arhipov<\/strong> aufwarten. Der darf auch im folgenden <strong>Exaltation<\/strong> noch mal ran, und im Gegensatz zu den Hochgeschwindigkeitsparts, in denen die furiosen Shouts\/Growls von <strong>Sergey<\/strong> zu h\u00f6ren sind, macht sein ein wenig exaltiert klingender Gesangsstil dem Songtitel auch alle Ehre. Einen zweiten Einsatz hat auch <strong>Katharina Kurschat<\/strong>, die sich im letzten Song <strong>Prayer<\/strong> ungeheuer variabel zeigt und zusammen mit <strong>Sergey<\/strong> so etwas wie den letzten Akt dieses Theaterst\u00fccks mit Leben erf\u00fcllt. Es klingt fast ein wenig, wie &#8222;Die Sch\u00f6ne und das Biest&#8220;. <strong>\u00a0<\/strong><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Deb\u00fctalbum &#8222;Gaslighter&#8220; entstand in sehr turbulenten Zeiten, die sich mit Kriegen, Revolutionen oder auch der Covid-Pandemie in Erinnerung halten werden. Und auch Ereignisse in seinem pers\u00f6nlichen Umfeld hat Herman in der Musik und in seinen Texten verarbeitet. <\/p>\n","protected":false},"author":23,"featured_media":9075,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28,26],"tags":[976,41,977,272,276],"class_list":["post-9074","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-eps-alben","category-review","tag-anthia","tag-deutschland","tag-gaslighter","tag-progressive-death-metal","tag-progressive-metal","wpbf-post"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9074","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/wp-json\/wp\/v2\/users\/23"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9074"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9074\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9083,"href":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9074\/revisions\/9083"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9074"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9074"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zora-mediaart.de\/sylb\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9074"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}